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Cho Oyu
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Herbert Tichy -
zum 100. Geburtstag




Eine Festveranstaltung in der Akademie der Wissenschaften


Menschenwege - Götterberge

Wäre Herbert Tichy nicht tot, hätte er am 1. Juni seinen 100. Geburtstag feiern können. Leider starb er bereits am 26. September 1987. So mussten seine Freundinnen und Freunde letzten Freitag ohne ihn auskommen.

Herbert Tichy ist nicht der Erfinder der Eis-Marillenknödel, wie manche Wienkenner vielleicht meinen, - das war Kurt Tichy -, sondern Herbert(!) Tichy war Alpinist, Abenteurer, Journalist und Schriftsteller. 1954 gelang ihm die Erstbesteigung des 8188 Meter hohen Cho Oyu zusammen mit dem Tiroler Sepp Jöchler und dem Sherpa Pasang Dawa Lama. Ausserdem schrieb er 26 Bücher.

Zu Tichys Ehren veranstaltete der Verein „Menschenwege – Götterberge“ eine Feier in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Rund 500 Zuhörer hatten sich am 1. Juni eingefunden.

Als Höhepunkt lockte ein Kurzfilm mit dem Meister und ein Umtrunk mit tibetischem Tschang. Doch zuvor galt es, die Mühen der Ebene und des Aufstiegs zu meistern.


Biographischer Überblick

Da war einmal Wolfgang Nairz, der Tichy als Schuljunge im Haus seines Vaters kennengelernt hatte. Die Technik streikte jedoch, so dass die mitgebrachten Bildsequenzen ausfallen mussten. Die Besucher trösteten sich mit den Szenen des opulent ausgemalten Festsaals.

Mit 21 Jahren, so Nairz, brach Tichy mit dem Tiroler Max Reisch auf einer Puch 250 nach Indien auf. Das war 1933. Sie kamen in eine andere, unbekannte Welt - ohne Starbucks, Coke, McDonalds. Schon damals faszinierte Tichy das Panorama des Himalaja. 1935 reiste er in das höchste Gebirge der Welt und umrundete, als tibetischer Pilger verkleidet, den heiligen Berg Kailash.


China

Von 1941-1948 lebte Tichy – nicht ganz freiwillig - in China, schlug sich mit Mini-Honoraren als Korrespondent durch. Dort traf er den französischen Jesuitenpater und Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin, der von der katholischen Amtskirche wegen Aufmüpfigkeit nach China verbannt worden war. 1953 durchquerte er das westliche Nepal. Später bereiste er noch Alaska, Afrika, die Philippinen.

Unter anderem erzählte Wolfgang Nairz, wie zerknirscht Tichy war, als sein grosses Vorbild Sven Hedin anzweifelte, ob er tatsächlich im damals verbotenen Tibet gewesen war, doch schliesslich konnte der Wiener den Forscher überzeugen, und der alte Schwede schrieb das ersehnte Vorwort zu Tichys Buch „Zum heiligsten Berg der Welt“.

Gegen Ende seines Vortrags überraschte Nairz mit einer selbst erstellten Google-Statistik. Aus ihr ging hervor, dass Tichy unter den alpinen Grössen hinter Edmund Hillary, Gerlinde Kaltenbrunner und Reinhold Messner den vierten Platz einnimmt, was die Anzahl Einträge betrifft. Kaum zu glauben.


Ernst, Enttäuschungen und ihr Gegenteil

Einen erfrischenden Streifzug durch Tichys 26 Bücher bot anschliessend Herwig Frisch. Ein Swami, also ein Hindu-Heiliger, hatte dem Reisejournalisten prophezeiht, er werde 25 Bücher schreiben. Letztlich stimmt diese Zahl, denn bei einem der 26 Bücher Tichys fungierte der Wiener nur als Herausgeber.

Ernst wurde es, als Karl Luger das Thema „Herbert Tichy und die ökologische Frage“ behandelte.

Die leise Bedrücktheit löste der Kurzfilm am Ende wieder auf. Tichy kam selbst zu Wort – in Film-Dokumenten aus dem ORF-Archiv. Eine Redensart, so Tichy, besage, man habe ein Volk erst dann kennengelernt, wenn man mit dessen Männern gearbeitet und mit dessen Frauen geschlafen habe. Tichy relativierte diese Weisheit, indem er anmerkte, wirklich kennen würde man Menschen erst, wenn man mit ihnen ihre Armut geteilt habe.

Die Conferenciere berichtete zwischendurch von Enttäuschungen im Vorfeld der Tichy-Festivitäten. So sei leider keine Ausstellung über Tichy zustande gekommen, weil niemand einen passenden Ort bereitgestellt habe. Auch habe der ORF es nicht für wert befunden, eine Sendereihe zu Tichy zusammenzustellen.


Schelmische Regie

Dem so nicht Geehrten wäre das wohl gerade recht gewesen. Tichy liebte kein Brimborium. Überhaupt schien es so, als ob Tichy an diesem Abend inkognito auf seine schelmische Art geheime Regie führte.

Nicht nur, dass er den Einsatz von allzuviel Technik verhinderte, er arrangierte auch so manch singuläre Begegnung auf dem Weg zum WC, brachte hin und wieder die Redner aus dem Konzept, schaffte um ein Haar, dass der Film mit ihm zweimal gezeigt wurde und lockte schliesslich, als alle schon im Aufbruch waren, einen besonders eifrigen Fan ans Mikrophon, der entsprechende Verwirrung stiftete.


 KOMMENTARE 
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Raphaela Wurzer am 3.6.2012 um 23:14:42:
Der Tichy war einer der spannendsten Männer seiner Zeit. Seine Abenteuerbücher nehmen mir immer noch den Atem. Ein sehr interessanter und unterhaltsamer Artikel!

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