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Tobias Plettenbacher









Ulrike und Klaus Sambor von attac
ttt
Tante Jolesch


Geld oder Leben
Finanzsystem und BGE
Infoabend in Pressbaum



Um Geld ging es letzten Sonntag in Pressbaum. Während draussen die Sonne auf die Strassen brannte, hatten sich im Pfarrsaal der Gemeinde rund 80 Menschen versammelt.
Tobias Plettenbacher referierte über altes und neues Geld, Krisen, Crashs und Alternativen. Ulrike und Klaus Sambor erklärten das Modell von attac zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Eingeladen hatten Günter Deutschinger und Familie aus Pressbaum.


Reich frisst Arm, Superreich frisst Fleissig

72 ist eine Schlüsselzahl erklärte Tobias Plettenbacher in seinem Vortrag zum Geldsystem. Dividiert man die 72 durch die Wachstumsrate, erfährt man in wievielen Jahren sich der Ausgangswert verdoppelt. Die Wachstumsrate der Vermögen über eine Milliarde Dollar lag von 1995 bis 2010 im Schnitt bei 20%. Das heisst, innerhalb von dreieinhalb Jahren verdoppelt sich das Vermögen der Superreichen. Zu dieser Gruppe zählen weltweit rund 1.000 Personen. Millionäre - in Österreich rund 80.000 Menschen - brauchen im Schnitt 8 Jahre um ihr Vermögen zu verdoppeln. Ihre Wachstumsrate liegt bei ca. 9%.

Nicht ganz so rosig sieht es für die restlichen mehr als 8 Millionen Österreicher aus. Bei 3% Sparbuchzinsen und 2% Inflation bräuchten sie 72 Jahre um ihr Vermögen zu verdoppeln. Allerdings gibt die offizielle Inflationsrate die wahre Teuerung nicht korrekt wieder. Die Preise für den Warenkorb mit Gebrauchsgütern sind weitaus stärker angestiegen als die Preise für den offiziellen statistischen Warenkorb, nämlich um mehr als 6 Prozent.

Die Masse wird also immer ärmer, eine hauchdünne Schicht wird exorbitant reicher. Plettenbacher fasste es in die Worte: Zuerst frisst Reich Arm, und nun frisst Superreich Fleissig. Der Mittelstand wird immer mehr ausgedünnt.



Zins und Zinseszins

Die Ursache dieser Entwicklung ist unser Geldsystem mit seinem Zins und Zinseszins. Beim Zinssystem handelt es sich nämlich nicht um ein lineares Wachstum wie bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen (BIP), sondern um ein exponentielles. Ab einem kritischen Punkt explodiert das zinsgetriebene Vermögenswachstum und auf der anderen Seite die Schuldenlast.

Das erklärt, warum wir weiterhin auf die vermutlich grösste Wirtschaftskrise der Menschheitsgeschichte zusteuern, warum Umwelt- und Klimaschutz ohne Änderung unseres Geldsystems unmöglich sind, warum die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, warum wir immer mehr arbeiten müssen, aber dennoch immer weniger verdienen.

Wenn wir nicht radikal umsteuern, werden wir in wenigen Jahren, so Plettenbacher, in Österreich in einer ähnlichen Lage sein wie die Griechen. Plettenbacher führte aber nicht nur die Gefahr eines Kollaps' vor Augen. Er zeigt auch Alternativen auf.


"Das Wunder von Wörgl"

Die Geldschöpfung muss wieder zurückgeführt werden in die Hände der Einzelstaaten. Wer die Geldschöfpung aufgibt, kann nicht mehr über das Schicksal seines Landes bestimmen, so Plettenbacher. Neben der staatlichen Generalwährung sieht Plettenbacher Regionalwährungen als Lösungansatz. Als Beispiel nennt der Oberöstereicher "Das Wunder von Wörgl". Dort wurde im Juli 1932 ein Regionalgeld eingeführt, das nicht tauglich war für das Horten oder Zinsgewinn.

Innerhalb von 14 Monaten stiegen die Bauprojekte um 54%, sank die Arbeitslosigkeit von 21 auf 16 Prozent, während sie in ganz Österreich stieg. Aus aller Herren Länder eilten Experten herbei, um das "Wunder von Wörgl" mitten in der schwersten Wirtschaftskrise zu studieren. Als das "Experiment" zu erfolgreich wurde, intervenierte die Östereichische Nationalbank, der österreichische Staat drohte mit Militäreinsatz und Wörgl musste das Experiment beenden.


Alternativen heute

Neben den klassischen Komponenten der Gewaltenteilung sollte eine vierte Gewalt, eine sogenannte Monetative, eingerichtet werden, die Finanz-Verwerfungen durch Privatiers verhindert. Ausserdem warb Plettenbacher für Regionalgeld-Initiativen in Vorarlberg und im Weinviertel und die Demokratische Bank.



Schlaglichter auf das Grundeinkommen

Etwas weniger aufwühlend war der Vortrag von Klaus und Ulrike Sambor zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Das Modell von attac sieht vor, dass Steuern und Abgaben zu einem
Integrierten Tarif zusammengefasst werden. Rund 20% der Bezieher hoher und höchster Einkommen (über 2500 Euro netto pro Monat) hätten mit Einbussen zu rechnen, die restlichen 80% hätten durch die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens Vorteile.

Sehr ausführlich behandelte das Ehepaar Sambor eine Unterschriften- und Volksbefragungsinitiative zur Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens.


Die Vorschläge von attac zu diesem Thema:

Allgemeiner Link zum Modell Grundeinkommen von attac


210610_Bedingungsloses_Grundeinkommen.pdf


BGE__Diskussionspapier__August_2010.pdf


BGE_Finanzierungsmodell.pdf




Fragen

Es gab zahlreiche Fragen aus dem Publikum.

So wurde angezweifelt, ob beim hohen Korruptionsgrad der EU-Politiker diese die richtigen Ansprechpartner für Forderungen nach dem BGE sind.
Die Sambors zeigten sich da nicht so pessimistisch und erhoffen sich aus der Unterschrifteninitiative einen Aufschwung für das Bedingungslose Grundeinkommen.

Eine weitere Frage war, wer denn noch die unangenehmen Arbeiten verrichten würde, wenn jeder über ein Bedingungsloses Grundeinkommen verfügt.
Antwort: Wenn die ärmeren Bürger mit dem BGE im Rücken nicht zu jedem Minilohn arbeiten müssen, ergeben sich zwangsläufig höhere Löhne für diese ungeliebten Arbeiten. Einen unangenehmen, belastenden Arbeitsplatz könnten sich dann zwei Menschen teilen. Der Stress wäre bei 20 statt 40 Stunden pro Woche für jede/n der beiden geringer und das Auskommen dennoch gesichert.

Auf die Frage, wie will man verhindern, dass die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens in einem Land durch den Zuzug von Bürgern anderer Länder ausgenutzt wird?
antworteten die Sambors: Nur die Staatsbürger des jeweiligen Landes kommen in den Genuss des BGE, Ziel ist ein europaweites und globales Bedingungsloses Grundeinkommen.


Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die so ähnlich auch an anderen Orten stattfinden sollte.


 KOMMENTARE 
(zum Selber-Schreiben - hier klicken)

Dein Wort in Gottes Ohr am 9.7.2012 um 02:25:06:
Jö, die Tante Jolesch spricht mit dem Tobias Plettenbacher: http://www.youtube.com/watch?v=mKsWHRvHa5Y

___________________________

Karl am 6.7.2012 um 23:09:41:
Hoppla: "Die Preise für den Warenkorb mit Gebrauchsgütern sind weitaus stärker angestiegen als die Preise für den offiziellen statistischen Warenkorb, nämlich um mehr als 6 Prozent."
Meint er nicht Verbrauchsgüter?

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Manuela am 4.7.2012 um 01:27:59:
Plettenbacher veranschaulicht die Probleme u. Grenzen unseres zinsorientierten Geldsystems: http://www.youtube.com/watch?v=mynJiYAxOUE

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Franz am 4.7.2012 um 01:01:35:
Europäische Unterschriften-Initiative: http://www.pro-grundeinkommen.at/

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